Kleidertausch in der Kunsthalle Bielefeld: Beim Projekt „Brücken Bauen – kreativ und nachhaltig“ ging es ums Tauschen, Reparieren und Upcyceln – und ganz nebenbei auch darum, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Es ist kurz nach 17 Uhr in der Kunsthalle Bielefeld. Jacken, Kleider, Blusen, Hosen und Pullover verteilen sich auf Tischen. Menschen gehen von Tisch zu Tisch, schauen genauer hin, nehmen ein Kleidungsstück in die Hand, halten es an sich. Andere kommen mit Taschen voller Kleidung herein. Es wird sortiert, gestöbert, anprobiert und zwischendurch gefragt: „Steht mir das?“

„Was läuft denn hier heute?“, fragt eine überrasche Besucherin der Kunsthalle interessiert.

An diesem 19. August ist die Antwort: After Work Kleidertauschparty. Im Rahmen des Projekts „Brücken Bauen – kreativ und nachhaltig“ können Besucher*innen gut erhaltene Kleidung mitbringen, die sie selbst nicht mehr tragen – und dafür vielleicht mit einem neuen Lieblingsstück nach Hause gehen.

Mit jeder Viertelstunde kommen mehr Menschen dazu. Die Tische werden immer wieder neu durchgesehen, Kleidungsstücke wechseln die Hände und manche verschwinden ziemlich schnell in einer mitgebrachten Tasche.

Regina ist eine der Besucherinnen. Sie mag Flohmärkte und ist durch einen Zeitungsartikel auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Trotzdem ist dieser Abend für sie etwas anderes:

„Flohmärkte sind auch interessant, aber hier geht es um Austausch, ohne dass Geld eine Rolle spielt. Das macht alles noch einfacher. Und man trifft Leute aus verschiedenen Gruppen.“

Genau das passiert zwischen den Tischen fast nebenbei. Menschen kommen ins Gespräch, zeigen sich gegenseitig Fundstücke oder geben eine Meinung ab. Manchmal reicht schon ein Kleid, das zwei Personen gleichzeitig entdecken, für den ersten Satz.

Was kaputt ist, muss noch lange nicht weg

Ein paar Schritte weiter in der Malstube bekommt der Begriff „Kleidertausch“ noch eine andere Bedeutung. Hier geht es nicht ums Finden, sondern ums Weitermachen mit dem, was schon da ist.

Gemeinsam mit dem Repair-Café von Transition Town Bielefeld können Kleidungsstücke vor Ort repariert oder verändert werden. Eine offene Naht, ein Loch oder ein Pullover, der so nicht mehr getragen wird, bedeuten schließlich nicht automatisch das Ende eines Kleidungsstücks.

Eine Besucherin bringt einen kaputten Pullover mit – und hat am Ende etwas ganz anderes in der Hand:

„Ich habe tatsächlich einen Schal aus einem kaputten Pulli nähen lassen und hoffe, dass mein Mann sich darüber freuen wird.“

Auch an der Upcycling-Station wird weitergedacht: Gefundene Stücke können verändert und individuell gestaltet werden. Aus etwas Gebrauchtem entsteht so nicht unbedingt etwas Neues – aber etwas Neues für die Person, die es mitnimmt.

Daniela hat über eine Bielefelder WhatsApp-Gruppe von der Kleidertauschparty erfahren. Sie kommt früh und hat deshalb noch Zeit, ihre mitgebrachten Sachen in Ruhe auszupacken. Wenig später verändert sich die Atmosphäre.

„Irgendetwas findet man eigentlich immer.Und wenn nicht? Dann geht man vielleicht ohne neues Kleidungsstück nach Hause, aber mit einer Idee, was sich aus einem alten noch machen lässt. Oder mit dem Gedanken, beim nächsten Aussortieren nicht sofort an den Altkleidercontainer zu denken“, meint Daniela.

Denn an diesem Abend wandern die Sachen nicht anonym weiter. Manchmal sieht man sogar, wer die eigene Jacke oder Bluse entdeckt, anprobiert – und schließlich mitnimmt. Aus „Das trage ich nicht mehr“ wird bei jemand anderem „Das nehme ich mit“.

Gegen 20 Uhr leert sich die Kunsthalle langsam wieder. Die letzten Stücke werden betrachtet, Taschen gepackt. Und irgendwo dazwischen verlässt ein kaputter Pullover die Kunsthalle als Schal.






Reporter Marvin Hendrik Konrad berichtet von der Kleidertauschparty in der Kunsthalle Bielefeld

Lokalzeit OWL 19.08.2026 09:47 Min. Verfügbar bis 19.08.2028 WDR Von Marvin Hendrik Konrad